
Johanna von Orleans ist in diesem Roman Felicitas Hoppes nicht die historische Vorlage einer literarischen Erzählung, sondern Projektionsfläche für die Identitätsproblematik der Ich-Erzählerin als Frau. Der Roman blendet historische Überlieferung und Erzählergegenwart (eine scheiternde Doktorandin, eine sehr unbestimmt bleibende Liebesbeziehung) ständig ineinander und setzt seine Personen wie Spielfiguren in einem Schachspiel ein. Wie schon in den früheren Prosawerken der Autorin (z.B. "Pigafetta": ID 13/99) geht es ihr nicht um eine spannende Handlung oder "runde" Figuren, sondern um literarische Versuchsanordnungen als Expeditionen ins Unbekannte menschlicher Existenz. Trotz einer beachtlich dichten Sprache und eindringlichen Bildlichkeit lassen sich erfahrungsgemäß nur wenige Leser in unseren Bibliotheken auf solche anspruchsvollen literarischen Experimenten ein. Angesichts der Literaturpreise und des Kritikerlobs für die Autorin sollten allerdings größere Bibliotheken den Band zur Diskussion stellen. (Ronald Schneider)
Page Count:
170
Publication Date:
2008-01-01
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