
Kein anderer ausländischer Komponist verfügte im späten 19. Jahrhundert über engere Beziehungen zu Leipzig als der Norweger Edvard Grieg. Dabei betrachtete er den klassizistischen Mainstream der Leipziger Musikinstitutionen durchaus kritisch. Zudem erzielte er seinen durchschlagenden Erfolg nicht auf dem Gebiet der Leipziger symphonischen Tradition, sondern primär mit Klavierstücken. Um zu einem tieferen Verständnis dieses ambivalenten Verhältnisses zu gelangen, wird es im vorliegenden Band konsequent kontextualisiert: Neben Grieg wird eine Vielzahl anderer skandinavischer Komponisten einbezogen, die ebenfalls über enge Kontakte mit der Leipziger Musikwelt verfügten. Dabei werden sowohl einzelne prominente Figuren wie Gade, Svendsen und Sinding beleuchtet als auch breitere Überblicke gegeben, etwa über schwedische Symphoniker, finnische Studierende am Konservatorium oder über skandinavische Komponisten, die bei Hupfeld Klavierwerke auf Papierrollen einspielten. Im Mittelpunkt der transfergeschichtlichen Beiträge von 18 Autor*innen aus sechs Ländern steht die gegenseitige Wahrnehmung, die sich in unmittelbaren oder retrospektiven Aussagen der Skandinavier und der Leipziger Musikpresse ebenso niederschlug wie in der Aneignung und charakteristischen Umprägung musikalischer Ausdrucksmittel und Formkonzepte.
Page Count:
404
Publication Date:
2021-01-01
ISBN-10:
3926196823
ISBN-13:
9783926196828
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