
Das Buch führt in die Erlebniswelt von Patientinnen ein, die als Kinder inzestuös mißbraucht wurden. Es beschreibt spezifische Probleme der Diagnostik und typische Konfliktsituationen, in die der Therapeut verstrickt wird. Von innerfamiliärem sexuellen Mißbrauch ist seit einigen Jahren in geradezu inflationärer Weise die Rede. Nach Jahrzehnten der Tabuisierung wurde das Thema für Film und populäre Literatur entdeckt - was den wirklich Betroffenen mehr geschadet als genützt haben dürfte. Die Autorin greift den gesellschaftlichen Kontext auf, um vor diesem Hintergrund die tatsächliche Erlebniswelt inzestuös mißbrauchter Patientinnen zu beschreiben. Im Zentrum des Buches stehen die speziellen Probleme bei der Diagnostik und die Schwierigkeiten und Konfliktsituationen, in die der Therapeut/die Therapeutin oft einbezogen und verstrickt wird. Breiter Raum ist der Frage gewidmet, ob es "false memories" oder "phantasierten Mißbrauch" bei den Patientinnen gibt und wenn ja, wie damit therapeutisch am besten umgegangen werden kann. Wenn eine Klärung nicht mehr möglich ist: Wie kann das Thema zu einem für die Patientin befriedigenden Abschluß gebracht werden? Mit welchen Inszenierungen sollte der Therapeut bei Inzestpatientinnen rechnen? Welche Bewältigungsmuster stehen zur Verfügung? Die langjährige Arbeit der Autorin mit mißbrauchten Patientinnen kann den tiefenpsychologisch oder analytisch orientierten Therapeutinnen und Therapeuten sowie Verhaltenstherapeuten und Sozialpädagogen konkrete Verstehenshilfen vermitteln und eine sachkundige Behandlung erleichtern. Auch für Betroffene ist das Buch lesenswert.
Page Count:
214
Publication Date:
2000-01-01
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