
Die Anwendung meiner Methode war gelungen, die Zusammenhange waren hergestellt, der Zeitablauf funktionierte, ich hatte die Faden im Kopf." Die textile Metapher der "Faden im Kopf", die Thomas Bernhard in seiner autobiographischen Schrift "Der Atem" gebraucht, ist zugleich Erzahlstrategie. Die narrativen Faden seiner 'Theatermacher' verbleiben im Modus der inszenatorischen Konzeption, gelangen nicht zur Auffuhrung, verweilen im Imaginaren. Anhand des fruhen Prosatextes "Frost", der fruhen Erzahlung "Ist es eine Komodie? Ist es eine Tragodie?" und des spaten Prosatextes "Holzfallen. Eine Erregung" sowie der Kurzprosatexte "Ein eigenwilliger Autor", "Empfindung" und "Unmoglich" untersucht die vorliegende Arbeit das theatrale Erzahlverfahren in Thomas Bernhards Prosa. Seine vielfaltigen und subtilen Formen des narrativen Theaters - zwischen Tradition und Innovation, Kombination und Destruktion bzw. Perversion - offnen die Perspektive auf ein von jeglicher Institution losgelostes Theater, auf die Korrelation von Theatromanie und Theaterfeindlichkeit sowie auf rituelle bis performierte Formen des Theaters. Nicht allein durch seine Theaterstucke, sondern zugleich durch seine Prosa ist Bernhards universelle Theatrographie begrundet, innerhalb derer Theater als Thema und Erzahlverfahren fungiert.
Page Count:
178
Publication Date:
2015-01-01
ISBN-10:
3956500997
ISBN-13:
9783956500992
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