
Das Ubersetzen von Literatur ist ein zentraler und zu wenig beachteter Teil der europaischen Kulturgeschichte. In dieser Arbeit wird die Kommunikation uber die Bedeutung und Art von Ubersetzungen als gesellschaftliche und asthetische Aushandlung der Nation diskutiert. Anhand von reflexiven und kommentierenden tschechischsprachigen Texten des 19. Jahrhunderts wird gezeigt: Literarische Ubersetzungen waren in der Zeit entstehender europaischer Nationalliteraturen so selbstverstandlich wie umstritten, waren zugleich potentiell bedrohlich und unabdingbar. Unter anderen Josef Jungmann, Jakub Maly oder H. G. Schauer trugen hier zur Ubersetzungsdebatte bei. In den zunehmenden Verflechtungen und Kontakten wurde das Ubersetzen ein Bestandteil der Konstruktion des Nationalen. Auf der theoretischen Ebene geht es nicht um eine Ubersetzung, durch die (kulturelle) Bedeutung objektiv fixiert werden konnte. Vielmehr entwickelt die Autorin den Begriff der "Ubersetzungsbewegungen", die mit den asthetischen, gesellschaftlichen und epistemischen Haltungen verzahnt und veranderlich sind und nicht nur in eine Richtung weisen, sondern mitunter paradox funktionieren. Das Verhaltnis von Ubersetzung und Nation, das unsere literarische Kultur bis heute pragt, ruckt damit ins Rampenlicht. Nationen entstanden nicht vor dem Ubersetzen, sondern in ihm.
Page Count:
302
Publication Date:
2023-01-01
ISBN-10:
3447118946
ISBN-13:
9783447118941
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