
Nach der Staatsgrundung der DDR begann die SED mit dem konfliktreichen Aufbau des Sozialismus, d. h. mit einer tiefgreifenden Umgestaltung der staatlichen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Verhaltnisse. Alle grundlegenden Fragen mussten mit der sowjetischen Besatzungsmacht abgestimmt werden. Mit der Einfuhrung der Zentralverwaltungswirtschaft und der Verstaatlichung in den einzelnen Wirtschaftssektoren wurde der Markt sukzessive zuruckgedrangt. Der Begriff "Sozialpolitik" wurde fallen gelassen, weil davon ausgegangen wurde, dass das planerische System die gewunschten sozialen Verhaltnisse quasi automatisch mit sich bringen wurde. Gleichwohl traf man "sozialpolitische Entscheidungen", wie die Verstaatlichung des Gesundheitswesens und den Umbau der Sozialversicherung zu einer Einheitsversicherung, die in die Verwaltung des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes uberging. Staatliche Sozialpolitik wurde einerseits durch die Folgen der gesamtgesellschaftlichen Transformation z. T. erganzt und dadurch relativiert und zum anderen durch die Schaffung zusatzlicher Leistungsagenturen (betriebliche Sozialpolitik) erweitert. Angesichts der Abwanderung von zahlreichen Arbeitskraften in den Westen - die offene Grenze machte dies moglich - versuchte die SED unentbehrliche Fachkrafte durch die Einfuhrung von Zusatzversorgungssystemen und andere materielle Anreize an die DDR zu binden.
Page Count:
1019
Publication Date:
2004-08-16
ISBN-10:
378907327X
ISBN-13:
9783789073274
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