
Aleppo war lange das drittgrosste Handelszentrum des Osmanischen Reiches. In der ersten Halfte des 19. Jahrhunderts wurden zudem vermehrt europaische Handler in der Stadt ansassig, so die aus Bohmen stammende Familie Poche. In etwa der gleichen Zeit wurden eine Reihe von gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Reformen (Tanzimat) im Osmanischen Reich eingeleitet, unter denen die Ubernahme eines sakularen Handelsrecht und die Errichtung von gemischten Handelsgerichten zu den fruhesten zahlten. Handler wie die Poches, deren Privatarchiv in Aleppo heute einen einzigartigen Einblick in die Wirtschafts- und Sozialgeschichte jener Epoche ermoglicht, waren die ersten Nutzniesser dieser neuen Instanzen, doch zeigt sich in ihrem Umgang mit Schuldnern, Geschaftspartnern, europaischen Diplomaten und osmanischen Beamten wie sehr ihr geschaftlicher Erfolg noch weiterhin von personlichen Netzwerken, Ernennungen zu Honorarkonsulatsposten und Wegen der inoffiziellen Konfliktresolution abhing. Picknick mit den Paschas zeichnet anhand von osmanischen Verwaltungsdokumenten, franzosischen Archivquellen und vor allem der Poches eigenen Handels- und Privatkorrespondenz den Werdegang einer levantinischen Handelsfirma am Scheideweg mehrerer historischer Welten nach, zwischen traditioneller Provinzaristokratie und moderner Staatselite, zwischen ostlichem Mittelmeer und osmanischem Hinterland, und zwischen oraler und schriftlicher Rechtskultur.
Page Count:
261
Publication Date:
2013-01-01
ISBN-10:
3899139631
ISBN-13:
9783899139631
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