
Im alten China wurden Perlen zunachst als Tributgut bestimmter Provinzen des Reiches zu Zeiten seiner mythischen Grundung thematisiert. Sie waren somit von Anbeginn an Zeugen der erfolgreichen Unterwerfung und Domestizierung des wilden - und in seiner Vielfalt zum Teil gefahrlichen, zum Teil chronisch aufsassigen - Territoriums, auf dem sich die chinesischen Reiche im Laufe der Geschichte entfalteten. Aufgrund der ihnen zugeschriebenen wundersamen Krafte versuchten die Menschen in der Folge, mithilfe von Perlen auch andere, schwer kontrollierbare Bereiche des menschlichen Daseins in den Griff zu bekommen. Doch ihre Versuche, zu den Unsterblichen aufzusteigen oder zumindest den Tod zu kontrollieren, waren nicht immer mit Erfolg gekront. Perlen entzogen sich, oftmals im entscheidenden Augenblick, ihren Besitzern: auch sie liebten offenbar ihre Freiheit. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben sie die chinesischen Literaten uber Jahrhunderte hinweg fasziniert. Jiehua Cai konzentriert sich in Wilde Schonheiten im Wesentlichen auf die erzahlende Literatur, von den Anfangen der Kaiserzeit bis zur fruhen Song-Dynastie im 10. Jahrhundert. Der Fokus liegt dabei vor allem auf denjenigen Texten, welche massgeblich auf die weitere Literaturproduktion Chinas wirkten. So bietet die Studie einen reichhaltigen Durchgang durch die Schatze der chinesischen Literatur, der moglichst viele Aspekte der sich an die Perlen angliedernden Motive, seien sie nun Haupt-, Neben- oder auch nur Rand-Motive, unter Beachtung ihrer "kategorialen Verwandtschaften" (lei ) erfasst und damit einen wesentlichen Beitrag zur Motivgeschichte der Perlen leistet.
Page Count:
417
Publication Date:
2024-12-04
ISBN-10:
344712282X
ISBN-13:
9783447122825
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